Der KC85, entwickelt und produziert vom VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ Mühlhausen, war ein Heimcomputer-System aus der DDR, das zwischen 1984 und Anfang der 1990er Jahre zum Einsatz kam. Ursprünglich für Schulen, Bildungseinrichtungen und ambitionierte Privatanwender gedacht, wurde der KC85 zum bekanntesten Heimcomputersystem im Ostblock – ein Symbol für den Versuch, IT-Bildung in sozialistischer Eigenentwicklung voranzubringen.
Prozessor: U880 (Z80A-kompatibel, 8-Bit), 1,75 MHz
Arbeitsspeicher:
KC85/3: 16 KB RAM (erweiterbar)
KC85/4: 64 KB RAM + 16 KB Video-RAM
Grafik:
Auflösung: 320 × 256 Pixel (KC85/4)
4 Farben gleichzeitig aus 16 Farbpaletten
Betriebssystem: CAOS (Cassette Aided Operating System)
Massenspeicher: Kassette (per Kassettenrekorder), Modul-Steckplätze (K760x)
Tastatur: Eingebaute Gummitastatur mit 75 Tasten
Preis bei Veröffentlichung: Rund 4.300 Mark der DDR (KC85/4, für Bildungseinrichtungen)
Lernsoftware (Mathematik, Physik, Programmieren)
Textverarbeitung (z. B. TP – Textprogramm)
Spiele (oft selbst programmiert oder in BASIC)
Programmiersprachen: BASIC, Assembler
Systemtools über Erweiterungsmodule
Modulares Konzept:
Der KC85 verfügte über bis zu vier Modulsteckplätze, in die RAM-Erweiterungen, ROM-Module, Interface-Adapter oder Software geladen werden konnten.
Diese Flexibilität war für DDR-Verhältnisse technologisch fortschrittlich.
Eigenentwicklung:
Der U880-Prozessor war eine in der DDR gefertigte Kopie des westlichen Zilog Z80.
Das gesamte System entstand in einer Zeit begrenzter Ressourcen unter dem Embargo des Westens (CoCom), was die technische Leistung umso bemerkenswerter macht.
Bildung im Fokus:
Hauptsächlich in Schulen, Pionierhäusern, Polytechnischem Unterricht und Universitäten eingesetzt.
Viele Kinder und Jugendliche lernten erstmals mit dem KC85 Programmieren in BASIC.
Nachfolge und Varianten:
Der KC85/1 und KC85/2 (ältere Versionen, oft als HC900 bei Robotron erschienen)
Der KC85/3 und KC85/4 (verbreitetste Modelle mit besserer Grafik und Speicherausbau)
Der KC85 war das Herzstück der DDR-Heimcomputerlandschaft und prägte eine ganze Generation junger DDR-Bürger in ihrer ersten Begegnung mit Informatik. Zwar konnte er westliche Heimcomputer wie den C64 oder ZX Spectrum in Sachen Grafik und Sound nicht übertreffen, aber in Sachen technischer Modularität, Bildungsfokus und Robustheit war der KC85 bemerkenswert.
Nach der Wende verschwand der KC85 weitgehend vom Markt, wird jedoch heute in Retro-Computersammlungen und Technikausstellungen als ein Stück IT-Geschichte der DDR bewahrt und geschätzt.